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Kreuztragung

Object type:Druckgrafik
Artist:
Dürer, Albrecht
Date:um 1498/1499
Measures:H: 38,4 cm, B: 27,9 cm
Material:Papier
Technique:Holzschnitt
Style:Renaissance
Christus ist unter der Last des Kreuzes zusammengebrochen, und der aus dem gitterbewehrten Stadttor quellende Prozessionszug mit den heiligen Frauen, Johannes und Simon von Kyrene gerät ins Stocken. Hinter ihnen blockieren finster blickende Gestalten mit aufgerichteten Waffen und der für die Kreuzigung notwendigen Leiter das Tor. Die vorangegangene Gruppe mit Pilatus und dem Hauptmann zu Pferde riegelt in Rückwärtsbewegung die Szene ab, während der rechts postierte Landsknecht mit aufgestellter, das Bild vollständig abgrenzender Hellebarde ? er trägt die Gesichtszüge Dürers ? den Gestürzten an einem um den Leib gebundenen Strick weiter zerrt. Ein wilder Geselle stößt mit dem unteren Ende einer prächtig verzierten Streitaxt von hinten auf das Haupt Christi. Erschöpfung und tiefe Traurigkeit sprechen aus Christi Gesicht. Der zurückgerichtete Blick trifft Veronika, die ihm in ihrer verhaltenen Geste ganz nah ist. Sie reicht ihm das Tuch, in das sich der Legende nach die Gesichtszüge Christi als vera icon prägten. Das abwärts deutende Kreuz lastet schwer auf seinen Schultern und drückt ihn nieder, so dass er sich auf den linken Arm stützen muss. Es hält als Barriere die drängende, bedrohliche Menge auf Abstand, schafft Raum für Veronika und den Soldaten, die sich durch Größe, Lichtführung und ihre auf Christus ausgerichtete Haltung hervorheben.
Die im 1534 in Straßburg erschienenen Kräuterbuch von Brunfels auch als "Ellend" bezeichnete Distel (Eryngium campestre) verweist gemäß 1. Mose 3,18: "Dornen und Disteln soll er dir tragen" auf Christi Passion, insbesondere seine Dornenkrönung.
Die Begegnung Marias mit dem Sohn bei seiner Kreuztragung gehört seit dem 15. Jahrhundert zu den auf sieben festgesetzten leidvollen Ereignissen im Leben der Gottesmutter, den Schmerzen der Maria. Sie wird von Johannes gegen die Menge geschützt. Ihr in sich gekehrtes Gesicht und die in demütiger Verehrung vor der Brust gekreuzten Hände sind ein Mittel, den Gläubigen zur conformitas mit Maria im Passionsgeschehen anzuleiten. Eine ähnliche Funktion kommt der Darstellung des Simon von Kyrene zu, der an der Last Christi mitträgt, ein Bildmotiv, das den gläubigen Betrachter zur Nachahmung auffordert.
Dürer gibt der Szene Gegenwartsbezug, indem er sie vor den Mauern einer mittelalterlichen Stadt inszeniert. Durch den Halt ist Unordnung in den Zug geraten, die aufragenden Stichwaffen deuten in verschiedene Richtungen. Nur der kleine Hund rennt voraus nach Golgatha, wo die Kreuzigung stattfinden wird. Die Konfrontation der beiden Reiter im Hintergrund führt die zwiespältige Rolle des Pilatus vor Augen, der mit dem Gestus der geöffneten erhobenen Hand seine Unschuld bekräftigt
(nach Traudgard Dingeldein, in: Ausst.-Kat. Des Menschen Gemüt ist wandelbar. Druckgrafik der Dürer-Zeit, Kunsthalle zu Kiel 2004, S. 215)

Literature:
  • Kuder, Ulrich / Bärbel Manitz / Walter Sparn: Des Menschen Gemüt ist wandelbar. Druckgrafik der Dürer-Zeit, Kiel, 2004

Inventory Number: 1930-SHKV 284

Signature: bezeichnet (u.Mitte: AD)


Iconographie:     
Passion Christi