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Dunkle Wellen/Traum

Objektbezeichnung:Gemälde
Sachgruppe:A. Gemälde
Hersteller:
Rainer, Arnulf
Datierung:1970
Maße:H: 42,7 cm, B: 59,5 cm
Material:Ultraphan (übermalte Radierung)
Technik:Malerei
Décollage
Seit 1952 arbeitet Arnulf Rainer an Übermalungen. Eigene und fremde Arbeiten werden durch Hinzufügungen oder Auslöschungen vorgegebener Bilder modifiziert und in seine Vorstellungswelt und Formensprache überführt. Dies können gestische Verdeutlichungen von Photographien des eigenen Gesichts, des eigenen oder fremden Körpers sein ebenso wie Überzeichnungen von Photos fremder Werke - eine große Serie beschäftigt sich bezeichnenderweise mit Überzeichnungen von Photos nach Büsten seines Landsmannes im 18. Jahrhundert, des Bildhauers Xaver Messerschmidt. So wie er sucht Rainer nach den Extremsituationen menschlicher Existenz zwischen Wahn und Wirklichkeit. Krankheitsbilder, übersteigerte Emotion können Ausgangspunkte sein, und sie führen schließlich zu völliger Überdeckung. So entstanden die Serien der Face Farces, der Frauensprache, der Totenmasken, der Kruzifixe und andere, in denen die Übermalungen zu neuer Interpretation der Wirklichkeit werden. Dazu gehören auch Arbeiten wie die unsrige, bei der die übermalte Radierung auf Ultraphan fast oder gänzlich verschwindet. Kaum ahnbare Reste bleiben stehen und sind doch wie im Untergrund spürbar. Blaue und schwarze Bahnen, in großen Schwüngen über das Blatt gezogen, verdecken das ursprüngliche Bild. Wenig Rot tritt hinzu. Reste von Schrift lassen nur noch eine vage Ahnung von dem zu, was Ausgangspunkt des künstlerischen Aktes war. Die Übermalung verdunkelt den ehemaligen Sinn, faßt das Vielgestaltige zusammen zu einer einzigen Form. Rainer sprach von der Fülle der Leere in diesen Arbeiten. 1970 sagte er in einem programmatischen Text: "Ich wollte nie zerstören, sondern vervollkommnen ? Je bedeckter das Bild, um so schwieriger ist jeder weitere Schritt bis zur völligen Geschlossenheit. Erst jahrelange Arbeit an einem Werk löscht alle billigen oder kostbaren Effekte. Heute, auch mit anderen künstlerischen Problemen beschäftigt, male ich an diesen Werken, soweit sie noch in meinem Besitz sind, durchschnittlich einen Pinselstrich im Monat. Bis zu meinem Ableben werden sie sich so noch stark verändern?"1 Rainer hat sich einmal als einen "permanenten heroischen Zunichtemacher" bezeichnet, der der "Gläubige" sei. In diesem Sinne sind die Übermalungen mehr als subjektive Manipulationen. Sie sind sein Beitrag zu Entschlüsselung und Verdeutlichung des Rätsels Mensch, seiner Existenz in seinen Schwächen und Notsituationen. In das Dunkel der zugemalten und damit verschleierten Bilder kommt schließlich die Gewißheit endlicher Ruhe.
G. G.

1 zit. n. Ausst. Kat. Arnulf Rainer, National Galerie Berlin u. a. 1981, S. 9

Literatur:
  • Rodiek, Thorsten / Brigitte Heise / Gerhard Gerkens / Hildegard Vogeler / Ulrich Pietsch / Susanne Peters-Schildgen: Geschenkt - Gestiftet - Gekauft, Hamburg: ConferencePoint Verlag, 2003

Inventarnummer: 1987-31

Signatur: bezeichnet (u.r.: "Dunkle Wellen" Traum/A. Rainer 70)

Abbildungsrechte: Kunsthalle St. Annen


Ikonographie:     
Abstrakte, ungegenständliche Kunst