Benutzerkonto erstellen
 
Deutsch
Name des Museums
Titel des Bildes
Zur letzten Objektsuche Zum Album hinzufügen

Altfriesisches Haus
Objektbezeichnung:Altfriesisches Haus
erweiterte Objektbezeichnung:Utlandfriesisches Haus
Sachgruppe:Architektur
Ort:Keitum / Sylt
Datierung:1. Hälfte 18. Jahrhundert
Maße:L: 2136 cm, B: 802 cm
Material:Stein
Holz
Glas
Reet
Technik:Steinbearbeitung
Holztechnik
Glastechniken
GRUNDRISS: Der uthlandfriesische Haustyp zeichnet sich durch seinen lang gestreckten Grundriss aus, der meist in Ost - West Richtung orientiert ist. Dadurch bietet er Wind und Sturm nur jeweils die schmale Seite als Angriffsfläche. Die den Bau umschließenden Mauern tragen nicht. Diese Funktion übernimmt eine Ständerkonstruktion im Hausinnern. Sie besteht aus zwei Reihen senkrechter Pfosten und darauf liegenden Längs- und Querbalken in Deckenhöhe, auf denen wiederum der Dachstuhl ruht. Diese Bauweise führt dazu, dass bei sturmflutbedingtem Wassereinbruch ins Haus wohl die Mauern eingedrückt werden, nicht aber das gesamte Gebäude in sich zusammenfällt. Lediglich die Außenmauern und die Kaminwand im Innern des Hauses bestehen aus Backstein. Alle anderen Trennwände wurden in Holzpaneelen errichtet. Der längsgestreckte Grundriss dieses Haustyps wird durch eine Querdiele geteilt in den Wohn- (meist Ostseite) und Wirtschaftsteil (meist im Westen). Der Westteil des Altfriesischen Hauses, ehemals also Stall und Gerätekamme, wurde bereits im Laufe des 19.Jh. zu Wohnzwecken genutzt. Der Ostteil gibt dagegen noch die typische Raumfolge des uthlandfriesischen Hauses wieder: Wohnstube, Küche, Pesel, Kellerkammer. Lediglich Wohnstube und Küche konnten beheizt werden, daher liegen sie etwa in der Mitte der Hauslänge und haben nur je eine Außenwand. Die ihnen benachbarten Räume, der Pesel und die Kellerkammer, liegen an den beiden östlichen Ecken des Hauses und haben zwei Außenwände. Die Wohnräume legte man auf die Südseite eines Hauses, um den durch die tief liegenden Fenster ohnehin gedämpften Lichteinfall optimal nutzen zu können. Die Küche und die Kellerkammer lagen dagegen immer auf der lichtärmeren Nordseite. - - - AUFRISS: Der äußere Eindruck des uthlandfriesischen Hauses wird bestimmt durch den sog. Brandgiebel über dem Eingang. Im Falle eines Brandes sorgte dieser dafür, dass ein von abrutschenden Dachteilen unbeeinträchtigter Fluchtweg erhalten blieb. Diese Giebelform kam im 18.Jh. In Gebrauch und kann als Backengiebel (mit aufgehendem Mauerwerk, Bsp. Altfriesisches Haus) oder auch als Spitzgiebel (Giebeldach beginnt direkt in Traufhöhe des Hausdaches) ausgeformt sein. Oberhalb des Einganges ist die Giebelwand durch eine kleine Luke unterbrochen, die auf den ehemaligen Heuboden führt. Dieser nahm den gesamten Dachraum ein und sorgte für zusätzliche Wärmedämmung der Wohnräume, speziell in der kalten Jahreszeit. Generell gab es im Dach keine Fenster und Gauben. Sie sind in jedem Falle eine spätere Zutat an fast allen Häusern und gehen auf den gestiegenen Wohnraumbedarf zurück, dem man mit dem Ausbau der Dachgeschosse entsprach. Das Reet (Schilfstroh) der Dächer sorgte damals wie heute für gleich bleibendes Raumklima in den Häusern. Die Grassoden auf dem First schließen die Nahtstelle zwischen den beiden Dachschrägen. Die Backsteinwände dieses und anderer Häuser sind sehr dünn, so dass sie im Gegensatz zum Dach keinerlei Wärmedämmung bewirken. Um zumindest Feuchtigkeit von den Innenräumen fernzuhalten, flieste man die Wände von innen aus. Um zusätzlich die Außenmauern vor Regen zu schützen, sind die Dachflächen sehr weit heruntergezogen. Das gibt dem uthlandfriesischen Haustyp sein besonderes Gepräge.
Das vom Weichdach ablaufende Wasser lief direkt auf das Steinpflaster, das heute nur noch wenige Häuser umgibt. Mit der Neigung sorgte die sogenannte Brücke dafür, dass das Regenwasser direkt dem Garten zugeführt wurde, eine Schutzmaßnahme, um die Außenmauern vor aufsteigender Feuchtigkeit zu schützen. Der rechts des Eingangs gelegene Stallteil des heutigen Altfriesischen Hauses hat erst später die vielen größeren Fenster bekommen, ursprünglich sind kleine Windaugen oder halbrunde Stallfenster an deren Stelle gewesen. Wichtig ist, das kleine Kellerfenster an der Nordost-Ecke des Hauses zu bemerken. Es versorgt den einzigen Kellerraum mit Licht. Dieser Keller war in den verschiedenen Häusern immer durch die Küche zu erreichen und diente der Vorratshaltung. Mit Rücksicht auf die Feuchtigkeit des sandigen Untergrundes verzichtete man in den Häusern des uthlandfriesischen Typs auf die Unterkellerung der gesamten Hausfläche. - Wenn Sie näheres über die einzelnen Räume und die Einrichtung erfahren möchten, geben Sie bitte folgende Inventarnummern oder die jeweilige Objektbezeichnung ein: -Wohnstube (2012-303 + 2012-304 + 2012-305), -Pesel (2012-306 + 2012-307 + 2012-308), -Kellerkammer (2012-309 + 2012-310 + 2012-311), -Küche (2012-312 + 2012-313 + 2012-314 + 2012-315 + 2012-316), -Speisekammer (2012-317 + 2012-318), Flur (2012-362), -Klöntür (2012-363), -Brunnen (2012-280), -Gedenkstein (2012-278)

Inventarnummer: 2012-351

Abbildungsrechte: Altfriesisches Haus