| Zur letzten Objektsuche | Zum Album hinzufügen |
|
|
|
|
Blick aufs Watt am Abend | |
Bei dem kleinen Ölbild "Blick aufs Watt am Abend" (1932) von Franz Radziwill erhellt ein ungewöhnlich großer gelb-rötlicher Mond ein unnatürlich grün schimmerndes Firmament mit dichten blau-schwarzen Wolken. Unter dem Abendhimmel, der zwei Drittel des schmalen Längsformats einnimmt, erstreckt sich eine flache Landschaft mit glänzenden Wasserflächen und einer begrünten Küste.
Das Frühwerk des norddeutschen Malers kennzeichnet eine expressive Farbpalette und ein schwungvoller Pinselduktus, was auch bei seinem Ölgemälde "Ostseelandschaft bie Hohwacht" (1922) in der Kunsthalle zu Kiel zum Ausdruck kommt. Den "Blick aufs Watt am Abend" komponiert Radziwill dagegen weitaus weniger dynamisch. Mit einer nun detaillierten Malweise und einer altmeisterlichen Lasurtechnik strebt er eine stärkere Naturnähe an. Seit Mitte der zwanziger Jahre hat er altdeutsche und altniederländische Gemälde, die holländische Malerei des 17. Jahrhunderts und die deutsche Kunst der Romantik studiert. Das Bildthema der Nachtstimmung, die den "Blick aufs Watt am Abend" prägt, die Lichtführung sowie die Komposition mit dem tiefliegenden Horizont zeugen von Radziwills Auseinandersetzung gerade mit Caspar David Friedrich.
Die braunen Holzpfosten und ein roter Stab, die am Strand und im Wasser in die Höhe ragen und einen Priel säumen, stellen jedoch bei Radziwills "Blick aufs Watt am Abend" einen Bruch mit der romantischen Beschaulichkeit dar. Die Pfosten weisen auf die frühere Präsenz von Menschen in der Landschaft und ihre Veränderung der Natur. In der einsamen Vollmondnacht, in der sich kein Mensch bewegt, irritieren die Holzstäbe in ihrer Fremdartigkeit. Eine unergründbar rätselhafte Grundstimmung beherrscht das Bild, das daher eher dem Magischen Realismus als der Neuen Sachlichkeit zugeordnet werden kann.
Vermutlich zeigt der "Blick aufs Watt am Abend" einen Ausblick auf die Küstenlandschaft der Nordsee. Der Maler wohnt von 1921 bis 1983 in Dangast am Jadebusen; das Fischerdorf und die Oldenburger Landschaft sind oft Schauplatz seiner farbintensiven Darstellungen. Dabei interessiert ihn nicht nur die einsame Natur, sondern auch die Kulturlandschaft, die Bebauung der Landes mit Zäunen, Mauern, Bahnübergängen, Deichen und Schleusen. Eine besondere Faszination übt die moderne Technik auf den Maler aus, der auf vielen seiner Bilder Schiffe, Fesselballons, Flugzeuge und weitere auch phantastische Flugobjekte darstellt. Bei zahlreichen Gemälden Radziwills wie bei dem Kieler Gemälde "Golgatha" (1924, 1947 überarbeitet) kündigen technischen Kriegsmaschinen ein unheilvolles Geschehen an, das über die einstige Idylle hereinbricht.
"Blick aufs Watt am Abend" gehört zu den wenigen Landschaftsbildern Radziwills, bei dem kein Flugkörper die ruhige Natur stört. Die irreale Himmelserscheinung und die grellen Lichtformationen signalisieren dennoch eine Bedrohung in Radziwills magischer Bildwelt der Vollmondnacht. (Marta Wrage M.A.)
Kat. Erwerbungen 1990-2000, Kunsthalle zu Kiel und SHKV, 2000, S. 30.
Literatur:
Das Frühwerk des norddeutschen Malers kennzeichnet eine expressive Farbpalette und ein schwungvoller Pinselduktus, was auch bei seinem Ölgemälde "Ostseelandschaft bie Hohwacht" (1922) in der Kunsthalle zu Kiel zum Ausdruck kommt. Den "Blick aufs Watt am Abend" komponiert Radziwill dagegen weitaus weniger dynamisch. Mit einer nun detaillierten Malweise und einer altmeisterlichen Lasurtechnik strebt er eine stärkere Naturnähe an. Seit Mitte der zwanziger Jahre hat er altdeutsche und altniederländische Gemälde, die holländische Malerei des 17. Jahrhunderts und die deutsche Kunst der Romantik studiert. Das Bildthema der Nachtstimmung, die den "Blick aufs Watt am Abend" prägt, die Lichtführung sowie die Komposition mit dem tiefliegenden Horizont zeugen von Radziwills Auseinandersetzung gerade mit Caspar David Friedrich.
Die braunen Holzpfosten und ein roter Stab, die am Strand und im Wasser in die Höhe ragen und einen Priel säumen, stellen jedoch bei Radziwills "Blick aufs Watt am Abend" einen Bruch mit der romantischen Beschaulichkeit dar. Die Pfosten weisen auf die frühere Präsenz von Menschen in der Landschaft und ihre Veränderung der Natur. In der einsamen Vollmondnacht, in der sich kein Mensch bewegt, irritieren die Holzstäbe in ihrer Fremdartigkeit. Eine unergründbar rätselhafte Grundstimmung beherrscht das Bild, das daher eher dem Magischen Realismus als der Neuen Sachlichkeit zugeordnet werden kann.
Vermutlich zeigt der "Blick aufs Watt am Abend" einen Ausblick auf die Küstenlandschaft der Nordsee. Der Maler wohnt von 1921 bis 1983 in Dangast am Jadebusen; das Fischerdorf und die Oldenburger Landschaft sind oft Schauplatz seiner farbintensiven Darstellungen. Dabei interessiert ihn nicht nur die einsame Natur, sondern auch die Kulturlandschaft, die Bebauung der Landes mit Zäunen, Mauern, Bahnübergängen, Deichen und Schleusen. Eine besondere Faszination übt die moderne Technik auf den Maler aus, der auf vielen seiner Bilder Schiffe, Fesselballons, Flugzeuge und weitere auch phantastische Flugobjekte darstellt. Bei zahlreichen Gemälden Radziwills wie bei dem Kieler Gemälde "Golgatha" (1924, 1947 überarbeitet) kündigen technischen Kriegsmaschinen ein unheilvolles Geschehen an, das über die einstige Idylle hereinbricht.
"Blick aufs Watt am Abend" gehört zu den wenigen Landschaftsbildern Radziwills, bei dem kein Flugkörper die ruhige Natur stört. Die irreale Himmelserscheinung und die grellen Lichtformationen signalisieren dennoch eine Bedrohung in Radziwills magischer Bildwelt der Vollmondnacht. (Marta Wrage M.A.)
Kat. Erwerbungen 1990-2000, Kunsthalle zu Kiel und SHKV, 2000, S. 30.
Literatur:
- Firmenich, Andrea / Rainer W. Schulze: Franz Radziwill. 1895-1983: "Das größte Wunder ist die Wirklichkeit". Ausst.-Kat. Kunsthalle Emden, Emden, 1995
- Ermacora, Beate (Hrsg.) / Hans-Werner Schmidt (Hrsg.): Erwerbungen 1990-2000. Kunsthalle zu Kiel der Christian-Albrechts-Universität. Schleswig-Holsteinischer Kunstverein, Hamburg: Christians Verlag, 2000
Inventarnummer: 1036
Signatur: bezeichnet und datiert (u. l.: F.Radziwill 1932)
Signatur: bezeichnet und datiert (u. l.: F.Radziwill 1932)
| Ikonographie: | Natur |

