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Freitag
Objektbezeichnung:Gemälde
Sachgruppe:Malerei
Künstler:
Arlt, Elsbeth
Datierung:1999
Maße:H: 31 cm, B: 48 cm
Material:Leinwand
Technik:Öl
Stil:Neue Tendenzen der 90er Jahre
Aus der intensiven Auseinandersetzung mit den Phänomenen Zeit und Erinnerung, aus dem akribischen Sammeln von Wörtern, Zeichen und Dingen entwickelt Elsbeth Arlt neue Arbeitsfelder. Wie in Bildern Geschichte und Geschichten überliefert werden, so sind auch Bücher kulturelle Speicher, Zeugnisse von Erfahrung und Erkenntnis, Batterien von Phantasie, Erfindung und Vorstellungskraft. Seit 1989 arbeitet Arlt mit öffentlichen Bibliotheken. Karteikarten und andere Hilfsmittel, die dort der Orientierung und dem Auffinden von Büchern, Themen, Titeln und Autoren dienen, bilden das künstlerische Ausgangsmaterial. Dabei werden Dinge wie Karteikästen oder Schilder, die eine Art Verkehrsführung durch die Welt des gebundenen Papiers und des darin enthaltenen Wissens verkörpern, in neue Zusammenhänge gestellt. Die Künstlerin reflektiert die Wertschätzung und den Umgang mit Büchern im digitalen Zeitalter. Sie thematisiert die Umwertung von Informationssystemen und hinterfragt die Gültigkeit einmal gefundener, bislang verbindlicher Ordnungskategorien und schlägt neue vor. Seit kurzem nimmt sie auch das Internet mit seinem wahllosen Nebeneinander diverser Informationen aufs Korn.
Worte und Bezeichnungen können im Kontext von Arlts Installationen und Bildentwürfen zu multifunktionalen, mehrdeutigen Zeichen werden. Bei "Freitag" (1999) zum Beispiel ist das Wort in maschinenschriftlicher Typografie geschrieben und in der Mitte des Bildes platziert. Es ist nicht, wie man zunächst annimmt, auf den blauen Untergrund gesetzt, sondern ist, ebenso wie der entlang des Bildrandes umlaufende Strich, Teil der unter dem Blau liegenden schwarzen Grundierung. Die Assoziationen, zu denen uns das Stichwort Freitag führt, reichen von Robinson Crusoes Domestizierung eines †˜Wilden’ im Südseeparadies über Eberhard Freitag, den einst spurlos verschollenen Kurator der Kunsthalle, oder den †˜schwarzen Freitag’, an dem der legendäre Börsenkrach stattfand, bis hin zu dem mit abergläubischen Vorstellungen besetzten †˜Freitag den 13’. Kaum wird das Wort nur als das gelesen, was es ist, nämlich eine Aneinanderreihung von Buchstaben oder die Kennzeichnung eines Wochentages. Es wird mit Eigenschaften aufgeladen und mit der Farbe blau - in den anderen †˜Freitagbildern’ sind es andere Farben - in Beziehung gebracht.
Raum- und Sinnverschiebungen strebt die Künstlerin bewusst an, um zu neuen Aussagen zu gelangen, die überraschende, mitunter poetische Perspektiven auf scheinbar Bekanntes eröffnen. Verschlungene Wege an inhaltlichen und visuellen Anspielungen, Entsprechungen, Überkreuzungen, Überlagerungen und Wortspielen führen durch Arlts wohldurchdachtes Kunstsystem. Die Begriffe Faden, Gewebe und Textur sind wiederkehrende Konstanten und werden sowohl in materieller wie in metaphorischer Hinsicht eingesetzt und befragt. So wird die Schrift zu einem fortlaufenden Faden, der ein Gewebe spinnt und die Leinwand zum vieldeutigen Malgrund.

Lit: Erwerbungen 1990-2000, Kunsthalle zu Kiel und Schleswig-Holsteinischer Kunstverein, Kiel 2000, S. 161-163, Abb. S. 163.

Literatur:
  • Ermacora, Beate (Hrsg.) / Hans-Werner Schmidt (Hrsg.): Erwerbungen 1990-2000. Kunsthalle zu Kiel der Christian-Albrechts-Universität. Schleswig-Holsteinischer Kunstverein, Hamburg: Christians Verlag, 2000
  • Galerie Sfeir-Semler (Hrsg.): Elsbeth Arlt. Fließende Vorstellung, Kiel, 1990
  • Kunsthalle zu Kiel (Hrsg.): Das Bemalen der Palmblätter, Kiel, 1994
  • Overbeck-Gesellschaft (Hrsg.): Elsbeth Arlt. Tagesablauf, Lübeck, 1995
  • Stadtgalerie Kiel (Hrsg.): Elsbeth Arlt. Soda, Kiel, 1997
  • Stadtgalerie Kiel (Hrsg.) / Kulturforum Burgkloster Lübeck (Hrsg.): Kunst/Streifzüge in Schleswig-Holstein, 1998

Inventarnummer: 1064

Signatur: bezeichnet und datiert (a. d. Rückseite: E. ARLT/99 / 9/10)

Abbildungsrechte: Kunsthalle zu Kiel


Ikonographie:     
Abstrakte Ideen / Konzepte