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Madonna und Stifter

Objektbezeichnung:Tafelbild
Sachgruppe:6. Reliefe / Tafelmalerei
Künstler:
Rode, Hermen
Ort:Lübeck
Datierung:1480 - 1490
Maße:H: 38 cm, B: 49 cm
Material:Eiche
Technik:Tempera
Öl (auf Kreidegrund)
Ein Werk des Lübecker Malers Hermen Rode, zu dessen Hauptwerken der 1484 inschriftlich datierte und signierte Lukas-Altar (Inv. Nr.1892-193a) zählt. Madonna und Stifter sind als Halbfiguren gebildet und wenden sich einander zu. Die Madonna nimmt dabei den Ehrenplatz zur Rechten des jugendlich anmutenden, vornehm gekleideten Stifters ein, der durch sein Wappen als der Lübecker Ratsherr Hinrich Lipperade identifizierbar ist. Während die Gottesmutter von einem Goldbrokatstoff hinterfangen wird, öffnet sich hinter dem Stifter eine steinerne Bogenstellung und gibt den Blick auf eine baumbestandene Landschaft frei. Gegen den Betrachter wird der Bildraum durch einen schmalen Streifen begrenzt, der sich in räumlich-illusionistischer Weise der unteren Rahmenleiste anschließt und als Fensterbank oder Brüstungsoberfläche vorgestellt werden darf. Auf dieser steht der den Stifter segnende nackte Jesusknabe, der von der Linken Mariens schützend umfaßt wird. Über den zum Gebet gefalteten Händen des Adoranten liest man auf einem Schriftband die Fürbittformel "O virgo mater dei memento mei".

Die Madonna wird ursprünglich sicherlich den gleichen Platz wie der Stifter zur Verfügung gehabt haben. Ihre rechte Schulter ist heute unvollständig, der Brokatbehang hinter ihrem Rücken deutlich beschnitten. Der unterer Abschluß des Tafelbildes verloren.

Bildtypus und Darstellungsweise sind deutlich beeinflußt von der altniederländischen Malerei des späteren 15. Jahrhunderts, wobei allerdings hervorgehoben werden muß, daß Madonna, Christkind und Stifter des Lübecker Gemäldes auf ein und derselben Tafel vereint sind, während bei vergleichbaren Werken der Altniederländer diese in der Regel auf zwei Tafeln voneinander getrennt erscheinen. Indessen stellt das Epitaph des Straßburger Kanonikus Conrad von Busnang (Straßburg, Münster, 1467 inschriftlich datiert) von der Hand Niclas Gerhaerts von Leiden, obschon als Relief in Stein gearbeitet, jene räumliche und formale Einheit her, derzufolge Madonna und Stifter auf gleicher Augenhöhe unmittelbar miteinander kommunizieren. Auch dort wendet sich der Jesusknabe entlang einer Distanz und Verbindung schaffenden Brüstung entschlossen dem Stifter zu und auch hier kehrt das entsprechende Schriftband mit der Gebetsformel wieder. Wie bei dem Straßburger Beispiel dürfen wir uns wohl auch im Falle der Lübecker Tafel unter dem Brüstungsstreifen eine kommemorierende Inschrift als nähere Identifikation des Dargestellten vorstellen, womit das private Andachtsbild öffentlichen Epitaphcharakter erhielte.

Nach Albrecht 2005, Kat. Nr. 126

Literatur:
  • Albrecht, Uwe: Corpus der mittelalterlichen Holzskulptur in Schleswig-Holstein, 1 Hansestadt Lübeck, St. Annen-Museum, Kiel: Verlag Ludwig, 2005
  • Stange, Alfred: Deutsche Malerei der Gotik, VI Nordwestdeutschland in der Zeit von 1450 bis 1515, Berlin, 1954
  • Vogeler, Hildegard / Hartmut Freytag: Schlüssel zur Ewigkeit, in: Zeitschrift des Vereins für lübeckische Geschichte und Altertumskunde, 82, 2002, S. 10-13

Inventarnummer: 1999-143

Signatur: bezeichnet (Rückseite, untere Rahmenleiste in Schreibschrift: 8602 Kisters)

Signatur: Inschrift (Schriftband Stifter: O virgo mater dei memento mei)

Abbildungsrechte: St. Annen-Museum


Ikonographie:     
Maria mit Christuskind (Madonna)
     
historische Person