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Microcomputer

Objektbezeichnung:Microcomputer
erweiterte Objektbezeichnung:Compucorp 324 G Scientist
Hersteller:Compucorp-Computer Design Corporation
Ort:Los Angeles
Datierung:1971 - 1974
Maße:H: 7 cm, B: 14 cm, L: 23 cm
Material:verschiedene Materialien
Die Computerisierung der Arbeitswelt und letztlich beinahe des gesamten Alltags ist ein seit der Nachkriegszeit schrittweise erfolgender Prozess, dessen Endstufe noch nicht absehbar ist. Einen bedeutenden Zwischenschritt markiert dieser in der 1. Hälfte der 1970er Jahre hergestellte, tragbare und erstmals programmierbare Microcomputer des heute längst vergessenen US-amerikanischen IT-Pionierunternehmens Compucorp.
Eine erste, zunächst irritierende Besonderheit dieses Objektes ist, dass der Aufdruck auf der Ober- sowie der Unterseite des Gehäuses dieses Gerät als „Compucorp 320G Scientist“-Modell ausweist. Der bezeichnete Rechner ist allerdings nicht programmierbar und lediglich das Basismodell der darauf aufbauenden 320er-Serie professionell-wissenschaftlicher Kalkulatoren. Die abweichende Tastatur des vorliegenden Modells verrät allerdings, dass dieses Modell zusätzlich zu den - für damalige Verhältnisse schon hochkomplexen - Basisfunktionen auch noch programmierbar ist und zwei separate Rechenprogramme einspeichern kann. Somit handelt es sich bei diesem Gerät um das Modell „Compucorp 324G Scientist“, das vermutlich bei der Montage die falschen Schriftzüge erhalten hat.
In der beigefügten Bedienungsanleitung hebt der Hersteller als besondere Vorzüge dieses Produktes die - für damalige Verhältnisse - sehr handliche Gehäusegröße, die zahlreichen mathematischen Funktionen, die Leuchtziffernanzeige, den Speicher von bis zu 10 Zahlen und den Batteriebetrieb mit aufladbaren Zellen hervor. Das an dieser Stelle betonte Display ist eine sog. Panaplex II-Gasentladungsanzeige, die mit derartig hoher Spannung und hoher Leistung arbeitet, dass eigens hierfür ein Spannungsumwandler im Gerät eingebaut ist.
Ein mitgelieferter Transportkoffer aus unempfindlichem Kunststoff, ein Tragegriff am Gerät selbst, ein robustes Gehäuse sowie die Leistung von 4 einsetzbaren großvolumigen Nickel-Cadmium-Akkus, die eine Betriebsdauer von bis zu 4 Stunden gewährleisten, machen diesen Rechner im Berufsleben jederzeit und allerorts einsetzbar - im Büro, in der Werkshalle oder auf der Baustelle. Zielgruppen für diesen professionellen ersten Microcomputer sind Ingenieure aller Fachrichtungen, Hochschullehrer und Studenten. Auf diese unterschiedlichen Kundenkreise eingehend, werden die Rechner der 320er-Baureihe in der Bundesrepublik vom Computerring München - CRM Computer Vertriebsgesellschaft mbH & Co. KG in der 1. Hälfte der 1970er Jahre zu gestaffelten Verkaufskonditionen angeboten: Der Verkaufspreis des Basismodells „320G Scientist“ (hierzulande als „320G Mathematiker“ gehandelt) beträgt stolze 2.763,90 DM (inkl. Mehrwertsteuer). Im Studentenrabatt ist das gleiche Gerät für 2.400,- DM erhältlich. Wie viel das vorliegende Modell zu dieser Zeit kostet, geht aus den beiliegenden Papieren leider nicht hervor. Die Zwischenstufe zu diesem Computer, der „322G Scientist“, der immerhin bereits programmierbar ist, wenn auch mit nur einem Programm soll zumindest 3.540,90 DM (für Studierende 3.000,- DM) kosten. Der Preis für diesen Microcomputer mit sogar 2 Programmfunktionen dürfte demnach noch höher anzusiedeln sein. Aufgrund des recht hohen Verkaufspreises ermöglicht der deutsche Anbieter, die Geräte auf Raten zu kaufen (sog. „Mietkauf“), die innerhalb von 2 bis 4 Jahren abzuleisten seien.
In den mitgelieferten Bedienungsanleitungen wird auch bereits auf spezialisierte Nachfolgemodelle hingewiesen, wie die Modelle „325 Scientist“ und „326 Scientist“, mit denen auch Datensätze über einen anzuschließenden Rekorder auf Magnetband-Kassetten gespeichert werden können.
Ist dieser Microcomputer in seinen technischen Möglichkeiten als ein Meilenstein in der Entwicklung benutzerorientierter mobiler Kleinrechner zu bewerten und trägt damals berechtigterweise zum großen internationalen Renommee des kalifornischen IT-Konzerns Compucorp bei, so gelingt es der erst 1968 gegründeten Firma nicht, sich langfristig auf dem hart umkämpften Zukunftsmarkt für Computer zu behaupten. Keine technologischen, sondern betriebswirtschaftliche Fehlplanungen bringen Compucorp bereits ab Mitte der 1970er Jahre in finanzielle Schwierigkeiten. Nach diversen letztlich gescheiterten Versuchen am sogenannten „calculator boom“ dieser Jahre teilzuhaben, stellt das einstige Branchenwunderkind 1984 seine operativen Geschäfte ein. Zu dieser Zeit ist bereits mit dem beginnenden Siegeszug des Homecomputers eine neue Ära in der schnelllebigen IT-Branche angebrochen.

Literatur:
  • http://computermuseum.informatik.uni-stuttgart.de
  • http://www.oldcalculatormuseum.com/d-compucorp.html
  • http://www.datamath.org/Related/Compucorp/324G.htm

Inventarnummer: 2008VK614

Abbildungsrechte: Freilichtmuseum Molfsee - Landesmuseum für Volkskunde