Die beiden hohen dreieckigen Reliefs (Inv. Nr. 1892-127a-b) gehörten zusammen mit weiteren halbrunden Aufsätzen zur Bekrönung des Schalldeckels der spätmittelalterlichen Kanzel, die bis 1699 in der Marienkirche stand.
Das Bild der Verkündigung lebt vom üppigen vegetabilen Formenvokabular der Renaissance: Maria kniet zwischen zwei Balustersäulen, die mit wuchernden Akanthusblättern, schwellenden Fruchtständen, Weintrauben und einer großen Distelblüte geschmückt und miteinander verwoben sind. Sie liest in einem Buch, das spielerisch zwei Putten stützen. Weitere geflügelte Putten tollen in den Blüten und im Rankenwerk. Oberhalb Mariens schwebt die Taube in einem querovalen Nimbus. Auf sie fällt der Lichtstrahl, der von Gottvater an der Spitze des Reliefs ausgeht und auf dem das Christuskind mit dem geschulterten Kreuz herabschwebt.
In eine ähnlich vegetabile Umgebung ist der Verkündigungsengel gesetzt, der sich dynamisch von links nähert, ein Blütenszepter in der Hand. Von der anderen erhobenen Hand ringelt sich das Schriftband mit dem englischen Gruß nach oben. Zuweilen sind Fabeltiere in das Rankenwerk eingefügt, die aber, wie die Putten, keinen inhaltlichen Bezug zur Verkündigung haben, sondern reine Schmuckelemente sind.
Vogeler 1993, Kat. Nr. 11