Der Baldachin aus zwei flachen, je dreiseitig gebrochene Trägerbrettern mit massiv geschnitztem Gewölbe und hängendem Schlussstein ist frontseitig bekleidet mit dichten Schleiern aus durchbrochenem Distelrankenwerk, das in spiraligen Windungen links und rechts einer gedachten mittleren Symmetrieachse verläuft, Blüten- und Fruchtstände entsendet und von einem profilierten Rundbogen überfangen wird.
Die Baldachine und der Kamm stammen wohl von einem ansonsten verlorenen Retabel. Während an den Baldachinen noch die spätgotischen Motive vorherrschen, präsentiert sich der Kamm in feiner Frührenaissance-Schnitzerei. Die hohe handwerkliche Qualität und die neuartige stilistische Auffassung, die sich den Ornamentformen der Dürerzeit öffnet, weisen auf eine Entstehung im Benedikt Dreyer-Umkreis.
Aus: Albrecht 2004, Kat. Nr. 243