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Objektbezeichnung:
Gemälde
Datierung:
1944 - 1944
Maße:
H: 81,5 cm, B: 100 cm
Material:
Leinwand
Technik:
Malerei
Sachgruppe:
XVI. Malerei, Skulptur, Kunsthandwerk
Herstellungsort:
Le Mans
Bereitstellende Institution:
Kunsthalle St. Annen
"Der forschende Geist verrät uns, daß von einer Ordnung, einem ordnenden Weltgeist, Geist, der das Universum ordnet, nichts zu spüren ist. Das alles sind Vorgänge der Materie, Verwandlungen des Stoffes, von Materie zu Energie. Auch nimmt man mehrere Universen an. Das alles ist nicht mehr mit Kunst zu identifizieren.

Der Mensch und die Kunst identifizieren sich selbst. Die Definitionen der Kausalität gelten nicht mehr, es gibt keine Dualität von Geist und Materie. Die ?Natur? ist ein Geschehen. Der Geist ist ein im Menschen vorhandenes, dem Bewußtsein entspringendes menschliches Ereignis."1

Dieses schrieb Nay, einer der bedeutenden Wegbereiter der nichtgegenständlichen Malerei in Deutschland nach 1955, elf Jahre nach der Entstehung dieses Bildes. Er sah es als nicht mehr möglich an, noch traditionell perspektivisch zu arbeiten. Genauso unmöglich empfand er aber auch die Malerei mit rein geometrischen Mitteln, wie es vor dem Krieg die Konstruktivisten praktiziert hatten. Demzufolge bediente er sich der "arithmetischen Setzung bildnerischer Formen als Fläche."3

Die pastos aufgetragene Darstellung verrät im aggressiven und zugleich freien Kolorismus den Einfluß des Expressionismus und in der Raumgestaltung den des Kubismus. Vor einem tiefroten, vielseitig von Rauten- und Fischblasenmotiven strukturierten Hintergrund heben sich deutlich zwei weibliche Gestalten ab: im unteren Bilddrittel ist eine Liegende mit geschlossenen Augen und über dem Kopf verschränkten Händen zu erkennen. Hinter ihr und leicht von der Mittelachse nach rechts verschoben wird ein Engel mit seinen sich weit in das Bildfeld ausbreitenden Flügeln sichtbar. Seine rechte Hand ruht auf der Liegenden. Die Linke hält eine Art grünen Schild am Körper. Sein angstvoller Blick ist nach links oben ausgerichtet. In der linken oberen Bildecke befinden sich zwei weitere Gestalten, deren Gesichter durch zwei schwarze kräftige Balken unkenntlich gemacht wurden. Farbigkeit und Härte der Formen schaffen eine Atmosphäre von Schrecken und Angst. Es scheinen sich in diesem noch während des Krieges geschaffenen Bild die Erfahrungen des Künstlers aus der Zeit der Bombennächte und des kriegerischen Aberwitzes unmittelbar wiederzuspiegeln. In diesem Jahr war Nay als Kartenzeichner in Le Mans stationiert.4
Th. R.

1 Ernst Wilhelm Nay, zit. n.: Ernst Wilhelm Nay, in: Künstler, Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, Ausgabe 48, München 1999, S.14
3 siehe Anmerkung 1, S.14
4 Dem in der Zeit des Nationalsozialismus als "entartet" geltenden Künstler hatte auf Vermittlung des früheren Lübecker Museumsdirektors Carl Georg Heise der norwegische Maler Edvard Munch einen mehrmonatigen Aufenthalt auf den Lofoten in Norwegen ermöglicht, damit er hier als Künstler weiterhin ungestört tätig sein konnte. Von 1932-1949 war Nay mit Helene (genannt Elly) Kirchner verheiratet, die unter dem Namen Elly Nay eine deutschlandweit gefeierte Pianistin war. Nach einvernehmlicher Scheidung heiratete Nay 1949 seine zweite Frau, Elisabeth Kerschbaumer bzw. von da an Elisabeth Nay.
Inventarnummer:
1980-82
In Portal übernommen am:
2026-01-30T16:38:56Z

die LÜBECKER MUSEEN Kunsthalle St. Annen

St. Annen-Straße 15, 23552 Lübeck

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