Bei manchen der großen mittelalterlichen Leuchter steht über der Mitte eines Lichterkranzes eine Doppelfigur. Bisweilen, wie z.B in der Johanniskirche in Lüneburg, ist die Gestalt eines Heiligen mit der Gottesmutter verbunden, bei diesem Lübecker Beispiel sind zwei Darstellungen der Gottesmutter als Doppelmadonna Rücken an Rücken montiert.
Beide Madonnen zeigen den Typus des apokalyptischen Weibes: Maria schwebt als "großes Zeichen am Himmel", mit dem Mond unter den Füßen und der Sternenkrone auf dem Haupt. Der fehlende Strahlenkranz war vermutlich zwischen die beiden Figuren als gemeinsames Hintergrundsrelief gesetzt. Beide Figuren sind so deckungsgleich gearbeitet, daß bei der einen Madonna das Kind auf dem rechten Arm sitzt, bei der anderen auf dem linken. Es sind jedoch keine formgleichen Kopien, da Haltung und Attribut des Kindes variieren. So hält es auf der einen Seite einen Apfel zum Zeichen der Erlösung der Welt von der Schuld Adams und Evas, auf der anderen einen Korb, der allerdings nur noch fragmentarisch erhalten ist. Er könnte mit Rosen gefüllt gewesen sein, ein Symbol für die Schönheit und Makellosigkeit Mariens wie es bei der Darsow-Madonna (Marienkirche) der Fall ist.
In Verbindung mit einem Leuchter findet der himmlische Glanz der Strahlenkranzmadonna in doppelter Hinsicht Ausdruck: einmal als visionäre Erscheinung des "großen Zeichens am Himmel", zum andern durch den Kranz der Kerzenlichter.
Vogeler 1993, Kat. Nr. 48