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Maria Salome mit Zebedäus, Jakobus Maior und Johannes Evangelista - Außenseite einer Tafel der Predellenflügel des Antwerpener Marienretabels

Objektbezeichnung:Altarflügel
Sachgruppe:7. Altarschreine
Künstler:
Monogrammist PC
Ort:Antwerpen
Datierung:1518
Maße:H: 45 cm, B: 40 cm
Material:Eiche
Technik:Öl
Stil:Manierismus
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts traten Tendenzen in der Malerei und Plastik auf, die als manieristisch bezeichnet werden. Die Darstellung ist noch vom mittelalterlichen Formenkanon bestimmt, die Proportionen aber werden überlängt und gesteigert. Innovationen enthält diese Kunst jedoch nicht.
Ein erstes Zentrum dieser Richtung, die später in Italien große Bedeutung erlangte, wurde Atwerpen, eine Stadt, die seit Generationen hochqualifizierte Künstler angezogen hatte. Die Kunstwerke dieser sogenannten Antwerpener Manieristen fanden überall bei einem kunstsinnigen Publikum hohe Anerkennung. Einer dieser vielgefragten Maler war der Meister des Antwerpener Marienaltars der Lübecker Marienkirche. Nach der Datierung auf dem Rahmen dieses Altars wurde dem unbekannten Künstler der Notname "Meister von 1508" gegeben. Die Predellenflügel des Lübecker Altars enthalten acht Motive aus der Geschichte der heiligen Anna. Zwei Tafeln besitzt das Museum bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts (Inv. Nr. 7568a-b), die 1988 aus Privatbesitz erworbenen Tafeln (Inv. Nr.1988-5 und 1988-6) vervollständigen die Szenenfolge, zwei weitere Tafeln besitzt die Staatsgalerie Stuttgart, zwei gelten als verloren.
Dargestellt ist ein Teil der Heiligen Sippe: Maria Salome, eine Halbschwester Marias, ihr Ehemann Zebedäus und ihre Kinder Jakobus d. Ä. und Johannes, der Evangelist. Die Figuren sind besonders auffallend geschmückt. Gegenüber älteren Darstellungen ist die Farbpalette reicher geworden: Die anmutig schlanken Figuren tragen aufwendig raffiniert wirkende Kleidung in leuchtend zweifarbig changierenden Stoffen. Hier kommt die ganze Schmuckfreude einer überfeinerten Kunst zum Ausdruck, die mit dem Reichtum tradierter Formen noch zu spielen weiß. Gemäß dem neuen Zeitgeschmack tragen die Gestalten eine Mode, die orientalische Einflüsse verarbeitet. Lediglich die Architektur enthält schlichte Formen der Renaissance.
Das Thema der Heiligen Sippe, das sich allmählich aus Texten und Legenden entwickelte, erfreute sich im Mittelalter einer großen Beliebtheit, da es die Struktur der mittelalterlichen Familie widerspiegelt und damit eine Identifikationsmöglichkeit bot, in der "Heiligen Sippe" die Großfamilie zu sehen, die dem Alltag entsprach.

H.V.
Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck (Hrsg.), Zwischenbilanz, Lübeck 1991, S. 12.

Literatur:
  • Albrecht, Uwe: Corpus der mittelalterlichen Holzskulptur in Schleswig-Holstein, 1 Hansestadt Lübeck, St. Annen-Museum, Kiel: Verlag Ludwig, 2005
  • Denkmalrat: Petrikirche. Marienkirche. Heil.-Geist-Hospital (Die Bau und Kunstdenkmäler der Freien und Hansestadt Lübeck, II), Lübeck, 1906
  • Hasse, Max: Bildwerke des mittleren 15. Jahrhunderts in Lübeck und Vadstena, in: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte, I, 1961, S. 187-200
  • Wittstock, Jürgen: Kirchliche Kunst des Mittelalters und der Reformationszeit. Die Sammlung im St. Annen-Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck, I (Lübecker Museumskataloge), Lübeck, 1981
  • Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck: Meisterwerke aus acht Jahrhunderten, München, Berlin, 1989
  • Friedländer, Max J.: Die Antwerpener Manieristen von 1520, in: Jahrbuch der Preußischen Kunstsammlungen, 36, 1915, S. 65-91
  • Heise, Carl Georg: Lübeckische Plastik und Malerei, in: Lübecker Heimatbuch, Lübeck, 1926, S. 206-250
  • Groeningemuseum: Anonieme vlaamse primitieven, Brügge, 1969
  • Lütgendorff, Willibald Leo von: Beschreibendes Verzeichnis der Gemäldesammlung (Die Kunstsammlungen des Museums in Lübeck II), Lübeck, 1908
  • Friedländer, Max J.: Die altniederländische Malerei, XI, Berlin, 1933
  • Friedländer, Max J.: Early Netherlandish Painting, XI, Leyden, 1974
  • Gerkens, Gerhard: Neuerwerbungen 1988 des Museums für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck, in: Lübeckische Blätter, Jg. 148, H. 22, 1988, S. 408
  • Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck: Zwischenbilanz. 5 Jahre Neuerwerbungen 1896-1991, Lübeck, 1991

Inventarnummer: 1988-6

Abbildungsrechte: St. Annen-Museum


Ikonographie:     
Maria Salome