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Abschied Christi von seiner Mutter

Objektbezeichnung:Druckgrafik
Sachgruppe:Druckgrafik
Künstler:
Dürer, Albrecht
Datierung:um 1509
Maße:H: 12,7 cm, B: 9,7 cm
Material:Papier
Technik:Holzschnitt
Stil:Renaissance
Bevor Christus seinen Leidensweg antritt, vertraut er seine Mutter den beiden Schwestern Maria und Martha an. Mutter und Sohn sind vom selben hellen, aber weichen Licht erfasst. Mit verhülltem Kopf streckt die kniende Maria ihrem Sohn die gefalteten Hände flehend entgegen. Christi Haupt ist ohne Nimbus. Sein Blick wendet sich voller Kummer, Mitleid und Liebe seiner Mutter zu. Martha steht im Schatten des Tores hinter Maria. Die am Boden zusammengesunkene Frau mit offenem gewelltem Haar ist ihre Schwester Maria, die auch mit Maria Magdalena, der Sünderin, identifiziert wurde. Ihr ausdrucksloses Gesicht, der leere Blick drücken ihre hilflose Trauer aus. Hinter ihr sind senkrechte Stäbe mit dünnen Zweigen kreisförmig zusammengeflochten, Hinweis auf die Dornenkrone der Passion. Christus hebt die Rechte zum Segensgestus. Der steinige Weg wird ihn nach Jerusalem führen, wo das Abendmahl vorbereitet wird. Seine Jünger sind an einer Wegbiegung weit voraus. Ein kahler Baum mit in den Himmel gereckten Ästen scheint das kommende Leid anzudeuten, gleich dem Feigenbaum am Weg zum Passionsort, der auf Christi Geheiß verdorrt, weil er fortan keine Früchte mehr tragen soll (Matthäus 21,18 f.). Erste bildliche Darstellungen des in der Bibel nicht erwähnten Ereignisses finden sich in der Kölner Malerei des späten 14. Jahrhunderts. Ein frühes literarisches Beispiel ist das Marienleben von Bruder Philipp dem Karthäuser (1200-10), dessen Entstehung im Zusammenhang mit den Passionsspielen und der Passionspredigt steht. Das Bildthema entspricht dem verstärkten Bedürfnis im späten Mittelalter, das menschliche Leben und Leiden des Gottessohnes vorstellbar zu machen, es in erträglicher Weise nachzuempfinden. Dürer stellt die Frauen unter dem Tor dem entweichenden Christus gleichgewichtig gegenüber, macht ihre unterschiedlichen Reaktionen sichtbar. Maria Magdalena erstarrt in Trauer, Martha aber ist aufgerichtet, ihre Hand liegt schützend und tröstend auf Marias Schulter. Damit gibt Dürer der Szene einen neuen Akzent: Die von Jesus zurückgelassenen Frauen bleiben zusammen und überwinden den Schmerz der Trennung.
(nach Traudgard Dingeldein, in: Ausst.-Kat. Des Menschen Gemüt ist wandelbar. Druckgrafik der Dürer-Zeit, Kunsthalle zu Kiel 2004, S. 141)

Literatur:
  • Kuder, Ulrich / Bärbel Manitz / Walter Sparn: Des Menschen Gemüt ist wandelbar. Druckgrafik der Dürer-Zeit, Kiel, 2004

Inventarnummer: A.B. 1925

Signatur: bezeichnet (u. r. auf einer Steinplatte: AD)


Ikonographie:     
Passion Christi